Ein Krieg gegen die Bulimie- Im Kampf für mich selbst
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Ach, hallo Frust! Sag doch gleich, dass du es bist...

Heute nach dem Abendessen hatte ich das dringende Bedürfnis weiterzuessen. Dieses Bedürfnis verstärkte und konkretisierte sich: Ein Haufen Schokolade, bitte! Dagegen ankämpfen konnte und wollte ich nicht. Einen Rückfall bauen wollte ich auch nicht. Also beschloss ich, mir eine große Schokolade zu gönnen und sie langsam und genüsslich zu essen und mal zu gucken, was dann passiert.

Ich ging los und entschied mich nach gründlicher Überlegung für eine Packung Kinder Bueno. "Hol mehr, du wirst eh mehr wollen! Ist doch jetzt auch egal!", flüsterte mir die fiese Stimme der Bulimie zu. "Nein", sagte ich mir. "Es bleibt bei der Packung. Die darfst du auch ganz aufessen, aber wenn du mehr willst, musst du eben nachher nochmal los. Mal gucken, ob das Bedürfnis nicht anschließend schon gestillt ist."

Ich setzte mich also auf die Couch, schaltete den Fernseher ein, schenkte mir ein Glas Wasser ein und packte den ersten Riegel aus. Es fiel mir zunächst schwer, die Schokolade nicht zu verschlingen, sondern langsam zu kauen. Doch langsam arbeitete ich mich durch die Packung. Es war süß und tröstlich. JA, ich habe das genossen und gebraucht.

Ich rang einige Minuten mit mir und konnte den Drang, mich zu übergeben, schließlich besiegen. Anschließend konnte ich plötzlich weinen. Mir wurde klar, dass das blöde Gefühl im Bauch FRUST war. Ich war frustriert, weil einige Dinge heute nicht ganz so glatt gelaufen waren. Und aus Frust hatte ich Schokolade gegessen. Mir kamen mehrere Gedanken in den Kopf. Auf "Mist, das war viel zu viel und du wirst fett! Dann kannst du jetzt auch fressen und dann kotzen..." folgte "Viele Menschen essen aus Frust mal 1 oder 2 Tafeln Schokolade. Natürlich ist das nicht die beste Lösung, aber es ginge viel schlimmer."

Ich weiß, jede Essgestörte, die die Entscheidung gegen die Essstörung noch nicht entgültig gefällt hat, würde jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen (und in mir tut das auch eine kleine, fiese Stimme), aber ich bin stolz auf mich. Das ist ein RIESEN Fortschritt:

Ich habe keinen Rückfall gehabt. Nichtmal einen Essanfall habe ich gehabt. Statt zu schlingen, bis mir übel ist, habe ich genüsslich 150g Schokolade gegessen. Ich bin mir dabei über meine Gefühle klar geworden. Vielleicht schaffe ich das irgendwann mit weniger Schokolade. Oder ich kann meine Gefühle erst spüren und entscheide dann, dass es durchaus gerechtfertigt ist, eine Packung Schokoriegel zu verdrücken, weil ich es tatsächlich einfach mal brauche.

 

 

2.7.14 19:55
 
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