Ein Krieg gegen die Bulimie- Im Kampf für mich selbst
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Tanzen im Sturm

Ich möchte euch nun ein wenig über meinen bisherigen Leidensweg und meine ersten zaghaften Schritte auf dem Weg der Genesung berichten.

2011 fing alles während eines sehr kräftezerrenden und nervenaufreibenden Auslandaufenthaltes an. Ich fuhr los als glückliche 19 jährige, ziemlich normalgewichtig (BMI von  20,5), zwar schon sehr bedacht auf gesunde Ernährung, aber mit ungezwungenem Essverhalten, lebenshungrig und mit freudiger Erwartung an ein buntes und spannendes halbes Jahr.

Dort angekommen nahm ich aufgrund von Stress, Heimweh und viel körperlicher Arbeit stark ab. Dazu kam, dass mir das Essen nicht besonders gut schmeckte und vor allem nicht gesund genug war. Ich hätte es als erstes Alarmzeichen deuten können, hätte ich damals gewusst, dass ich geradewegs in eine Essstörung schlitterte, doch ich weiß nicht mehr, was ich mir dabei dachte, in dieser Zeit auf eines meiner Lieblingsnahrungsmittel zu verzichten: Schokolade. Jedes Angebot lehnte ich vehement ab und ich entwickelte eine regelrechte Schokoladenphobie.

Dass ich innerhalb von 3,5 Monaten 10 kg abgenommen hatte fiel mir zunächst gar nicht auf. Mitte Dezember stellte ich mich das erste Mal seit meiner Abreise auf die Waage und war regelrecht geschockt. Mit dieser Zahl hatte ich nicht gerechnet! Wie hatte ich das denn geschafft?! "Egal wie, jetzt gilt es zu halten!!!", flüsterte mir eine fiese kleine Stimme zu. Ich beschloss also Kalorien zu zählen. Mithilfe einer netten Diätseite im Internet berechnete ich meinen Tagesbedarf und beschloss, mich nun akribisch daran zu halten. 

Über Weihnachten ging es nach Hause und auch dort zog ich mein strenges Kalorienregiment knall hart durch. Zurück im Ausland verlor ich allerdings zunehmend die Kontrolle über mein Essverhalten, da mich das Heimweh nun stärker denn je plagte. Aufgrund von unglücklichen Außenbedingungen fühlte ich mich extrem einsam, ungeliebt und wertlos. Ich begann regelrecht zu fressen. Alles was mir zwischen die Finger kam, wurde verschlungen. Vor allem Schokolade, diverse Frühstückscerealien und geschmolzener Käse in jeglicher Form  verschwanden in rauen Mengen in meinem kleinen Bäuchlein. Schnell merkte ich das ich zunahm. Ich hasste das Gefühl des Kontrollverlustes und ekelte mich vor mir selbst. Ich begann die Fresstage mit Fastentagen zu kompensieren. Als ich trotzdem weiter zunahm, begann ich, zusätzlich zur harten körperlichen Arbeit, Sport zu treiben, experimentierte mit Abführmitteln und übergab mich nach besonders schlimmen Anfällen sogar.

Zurück in Deutschland würde alles besser werden! Nach 6 Monaten hatte ich keine Kraft mehr. Hätte ich nicht gewusst, dass alles nur auf Zeit war, hätte ich auch meinen Lebensmut verloren. Die restlichen 6 Monate bis Studienbeginn verbrachte ich bei meinen Eltern. Dort konnte ich mich ausruhen und aufpäppeln lassen. Doch das Vertrauen in meinen Körper hatte ich verloren. Ich zählte weiter fleißig Kalorien und war extrem enttäuscht und oft der Verzweiflung nahe, als ich merkte, dass mich auch die Essattacken nicht ganz verließen. 

Mein Leben hatte ich im Griff. Das Studium lief gut an, ich fand viele neue Freunde. Nebenher hatte ich endlich wieder die Kontrolle über mein Essverhalten. Ich hielt mich an meinen Kalorienplan,  ernährte mich super gesund und trieb täglich Sport. Essanfälle suchten mich nun seltener auf. Alle ein bis zwei Wochen passierte mir ein solcher Ausrutscher, aber er wurde gründlich wieder ausgekotzt und anschließend ernährte ich mich noch gesünder und trieb extra Sport. Lange hielt ich mein Gewicht (mittlerweile ein BMI von 17,3). Es bereitete mir Sorge, dass ich meine Tage nicht mehr bekam und ich beschloss zuzunehmen. Mit der Zunahme (BMI von 19) kam ich aber nicht klar, mein Essverhalten wurde zunehmend unkontrollierter und auch der Stress im Studium schien mir über den Kopf zu wachsen.

Ich fiel in ein depressives Loch. Ich zog mich zurück. Schämte mich für meine Essanfälle und das anschließende Erbrechen und wollte mich vor Verlockungen durch gemeinsame Brunchs oder Kochabende schützen. Ende 2013 ging es mir so schlecht, dass ich beschloss mir einen ambulanten Therapieplatz zu suchen. Die Suche war lang und kräftezehrend und im März 2014 brach ich einfach zusammen. Nichts ging mehr. Meine Fassade brökelte.

Ich bekam schnell einen stationären Therapieplatz. Damit ging ich ziemlich offen um und berichtete meiner Familie und meinen engen Freundinnen sehr ehrlich, was mit mir los war und wie es mir ging. Die Auszeit in der Klinik tat mir gut. Das Studium konnte ein Semester warten. Nun wollte ich mir Zeit nehmen. 

Einen ambulanten Therapieplatz habe ich bereits gefunden. Der Sommer liegt vor mir und ich kann mich darüber wieder freuen. Ein wenig Zeit, die ich mit meiner Familie verbringen kann, wird mir neue Kraft geben. Ich weiß, dass noch ein harter Kampf vor mir liegt. Es wird nicht leicht werden, vor allem nicht wenn ich mein Studium wieder aufnehme. Aber ich bin bereit zu kämpfen. Ich will leben! Ich will frei sein!

28.6.14 14:29
 
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