Ein Krieg gegen die Bulimie- Im Kampf für mich selbst
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Einen Kompromiss mit der Seele schließen

Heute hatte ich ein besonders intensives und tränenreiches Therapiegespräch. Es ging um Familie und die schmerzhafte Enttäuschung, die damit einhergeht zu erkennen, das man von zu Hause nicht das bekommt, was man sich erwünscht und ersehnt: Geborgenheit, Rückhalt, Bestätigung... ihr wisst schon!

Trotz der Ermunterung, dass ich lernen kann und werde, mir diese Dinge selbst zu geben bzw. andere Menschen finden werde, die mir diese geben werden können, hallte der Schmerz den ganzen Spätnachmittag und frühen Abend nach. Schnell merkte ich, meine Seele verlangt Trost. Meine Freundinnen sind gerade alle in Urlaub oder mussten arbeiten, etc. Mein Süßhunger stieg beinah ins Unerträgliche und ich erwischte mich dabei, wie ich einen großen Ess-Brechanfall plante, um mich abzulenken und den Abend zu füllen, um die Angst vor Einsamkeit zu unterdrücken.

Doch dann erinnerte ich mich an meine Fortschritte und merkte, dass ein Rückfall mir auch nicht geben würde, wonach meine Seele hungert. Ich schloss also einen Kompromiss. Ich ging zum Café um die Ecke, holte mir ein großes Stück Nusskuchen, dann noch eine Klatschzeitschrift am Kiosk und kochte mir eine Tasche Tee. Langsam aß ich den süßen Kuchen. Dabei sagte ich meiner Seele: "Ich bin für dich da. Ich kann dich hören. Ich möchte nicht, dass du schreien musst."

Und es wirkt tatsächlich. Hier sitze ich nun, habe keinen Essanfall gehabt, habe es geschafft, ob meiner Enttäuschung ein bisschen zu weinen, schreibe einen Blogeintrag und freue mich auf einen gemütlichen Abend mit einer Folge "Extrem schwer". Mein letzter Essanfall ist 10 Tage her. Mein letzter Ess-Brechanfall schon 31 Tage!!! Ich bin heute sehr optimistisch und zuversichtlich, dass ich die Bulimie endlich hinter mir lassen kann.

 

7.7.14 20:03


Ach, hallo Frust! Sag doch gleich, dass du es bist...

Heute nach dem Abendessen hatte ich das dringende Bedürfnis weiterzuessen. Dieses Bedürfnis verstärkte und konkretisierte sich: Ein Haufen Schokolade, bitte! Dagegen ankämpfen konnte und wollte ich nicht. Einen Rückfall bauen wollte ich auch nicht. Also beschloss ich, mir eine große Schokolade zu gönnen und sie langsam und genüsslich zu essen und mal zu gucken, was dann passiert.

Ich ging los und entschied mich nach gründlicher Überlegung für eine Packung Kinder Bueno. "Hol mehr, du wirst eh mehr wollen! Ist doch jetzt auch egal!", flüsterte mir die fiese Stimme der Bulimie zu. "Nein", sagte ich mir. "Es bleibt bei der Packung. Die darfst du auch ganz aufessen, aber wenn du mehr willst, musst du eben nachher nochmal los. Mal gucken, ob das Bedürfnis nicht anschließend schon gestillt ist."

Ich setzte mich also auf die Couch, schaltete den Fernseher ein, schenkte mir ein Glas Wasser ein und packte den ersten Riegel aus. Es fiel mir zunächst schwer, die Schokolade nicht zu verschlingen, sondern langsam zu kauen. Doch langsam arbeitete ich mich durch die Packung. Es war süß und tröstlich. JA, ich habe das genossen und gebraucht.

Ich rang einige Minuten mit mir und konnte den Drang, mich zu übergeben, schließlich besiegen. Anschließend konnte ich plötzlich weinen. Mir wurde klar, dass das blöde Gefühl im Bauch FRUST war. Ich war frustriert, weil einige Dinge heute nicht ganz so glatt gelaufen waren. Und aus Frust hatte ich Schokolade gegessen. Mir kamen mehrere Gedanken in den Kopf. Auf "Mist, das war viel zu viel und du wirst fett! Dann kannst du jetzt auch fressen und dann kotzen..." folgte "Viele Menschen essen aus Frust mal 1 oder 2 Tafeln Schokolade. Natürlich ist das nicht die beste Lösung, aber es ginge viel schlimmer."

Ich weiß, jede Essgestörte, die die Entscheidung gegen die Essstörung noch nicht entgültig gefällt hat, würde jetzt die Hände über dem Kopf zusammenschlagen (und in mir tut das auch eine kleine, fiese Stimme), aber ich bin stolz auf mich. Das ist ein RIESEN Fortschritt:

Ich habe keinen Rückfall gehabt. Nichtmal einen Essanfall habe ich gehabt. Statt zu schlingen, bis mir übel ist, habe ich genüsslich 150g Schokolade gegessen. Ich bin mir dabei über meine Gefühle klar geworden. Vielleicht schaffe ich das irgendwann mit weniger Schokolade. Oder ich kann meine Gefühle erst spüren und entscheide dann, dass es durchaus gerechtfertigt ist, eine Packung Schokoriegel zu verdrücken, weil ich es tatsächlich einfach mal brauche.

 

 

2.7.14 19:55


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